Von Röstgrad 2 bis Röstgrad 5: die Spanne innerhalb einer Zubereitungsart
Beim Röstgrad zeigt sich die Spannweite besonders deutlich. Der Anderl bleibt mit Röstgrad 2 von 5 bewusst hell: Die kenianischen Espressobohnen aus Karogoto, Nyeri, vollständig gewaschen von der Kooperative Tekangu Farmers, entwickeln dadurch Noten von Zitrusfrüchten, Beeren und Hibiskus, die bei dunklerer Röstung verloren gingen. In der Mitte dieser Skala liegt der Äthiopien Guji Oromia Natural von der Matico Kaffeerösterei mit Röstgrad 3 von 5: Bohnen der Kooperative Muda Tatesa aus der Region Sidamo, auf bis zu 2.310 Metern gewachsen, zeigen hier Noten von Orange, Jasmin und Honigsüße – heller als klassische Espresso-Röstungen, aber schon kräftiger als der Anderl. Am anderen Ende der Skala liegen der Barcelona von der ZAZZA Kaffeerösterei und die Espresso Rügen Edition von Kaffeerösterei Springer, beide mit Röstgrad 5 von 5: Der Barcelona Blend ist ein säurearmer Kaffee und verbindet Arabicabohnen aus Indien, Peru und Honduras zu einer schokoladig-erdigen, kräftigen Röstungen, während die Rügen Edition mit ugandischem Robusta und brasilianisch-tansanischem Arabica auf bitterschokoladige Wucht setzt. Wer gezielt schokoladige Espressobohnen sucht, wird gerade bei diesen dunkleren Röstgraden fündig, weil die Röstung selbst Kakao- und Karamellnoten zusätzlich verstärkt. Woher die Bohne stammt, ändert dabei wenig – erst die Entscheidung am Röststandort, wie dunkel und wie lange geröstet wird, macht aus denselben Ursprungsländern einen hellen, komplexen oder einen dunklen, kompromisslosen Espresso.
Wie viel Robusta verträgt dein Espresso?
Genauso weit streut der Robusta-Anteil zwischen den Röstereien. Der Barista Blend von Toms Kaffeerösterei setzt mit 50 Prozent brasilianischem Arabica und 50 Prozent indischem Robusta auf maximale Balance zwischen Süße und Crema. Die Kult-Espressomischung der Kult Rösterei geht mit 60 Prozent Arabica aus Papua-Neuguinea und Brasilien sowie 40 Prozent indischem Robusta einen ähnlichen, aber würzigeren Weg. Deutlich weiter dreht baba von Berg Kaffee die Regler: 70 Prozent gewaschener Robusta aus Indien treffen hier auf nur 30 Prozent Arabica aus Guatemala und Äthiopien – trotzdem bleibt die Säure bei 2 von 5, während Körper und Stärke bei 5 beziehungsweise 4 von 5 liegen. Wer bewusst Arabica Kaffee kaufen möchte, findet in den 100-Prozent-Arabica-Espressi die klareren, fruchtigeren Profile; wer dagegen mehr Crema, Körper und Kraft sucht, kann verschiedene Robusta-Anteile direkt vergleichen.
Eine Goldmedaille als Kaufargument
Dass sich Qualität in dieser Bandbreite auch objektiv prüfen lässt, zeigt die baba Röstung noch aus einem zweiten Grund: Der Blend wurde beim Verkostungswettbewerb der Deutschen Röstergilde 2025 als bester Espresso Blend mit einer Goldmedaille ausgezeichnet – ein geprüftes Signal für alle, die sich bei der Entscheidung unsicher sind und lieber auf ein unabhängiges Urteil vertrauen als auf die Beschreibung der Rösterei selbst.
Drei Wege, Koffein zu entfernen
Wer auf Koffein verzichten möchte, muss bei Espresso auf 9er-Kaffee nicht zwangsläufig auf Tiefe verzichten, und schon gar nicht auf ein einziges Verfahren. Der DECAF IGARAPÉ von KAWA Roastery wird im EA-Verfahren mit Ethylacetat entkoffeiniert, wächst auf rund 1.050 Metern in der Region Alto Paranaíba und finanziert gleichzeitig die Wiederaufforstung im brasilianischen Apuí über das IDESAM-Programm – schokoladig-nussig in der Tasse, ökologisch engagiert im Hintergrund. Der Peru Café del Futuro Water Decaf von Kaffeerösterei Springer setzt stattdessen auf das Swiss-Water-Verfahren, bezieht seine Bohnen von 348 Bauern der Asociación Café del Futuro in Jaén und trägt das Bio-Zertifikat; malzig, nussig und mit dunkler Schokolade bleibt er dabei überraschend kräftig für einen entkoffeinierten Espresso. Der Kolumbien Entkoffeiniert von Kaffee Rösterei Schuler wiederum nutzt ein Sugar-Cane-Verfahren, bei dem aus Zuckerrohr gewonnenes Ethylacetat den Koffeingehalt auf unter 0,3 Prozent senkt, während die Bitterschokoladen-Note erhalten bleibt. Diejenigen für die Entkoffinierter Kaffee interessant ist, finden damit drei technisch komplett unterschiedliche Wege zum selben Ziel – und keinen davon zufällig ausgewählt.
Direkt gehandelt: eine Beziehung, die länger hält als ein Röstprofil
Auch bei der Frage, wie nachvollziehbar die Herkunft ist, liegen die Röstereien weit auseinander. Der Espresso-Blend Kolumbien/Indien von Kaffee Rösterei Schuler bezieht seinen kolumbianischen Caturra seit über neun Jahren von Andreas Tischendorf und seiner Partnerin Maria Mercedes Grajales, deren Familie die Plantage auf rund 1.600 Metern seit Generationen bewirtschaftet – eine Beziehung, die länger hält als die meisten Röstprofile und sich im klaren Mandelnuss-Schokoladen-Charakter des Kaffees widerspiegelt. Wer Röstungen aus der Kategorie Direkt gehandelter Kaffee einer anonymen Lieferkette vorzieht, findet unter den hier vorgestellten Espressi mehrere vergleichbare Beispiele.
Dein Gerät, dein Geschmack: die richtige Kombination finden
Bevor du dich für einen Espresso entscheidest, kläre zuerst dein Zubereitungsgerät und deinen Geschmackstyp. Als Kaffeebohnen für Vollautomaten eignen sich meist mittlere Röstgrade mit stabiler Crema, etwa Mexiko Chiapas von der Pelikan Kaffeerösterei oder Bio Espresso Lucky Harmonie. Extrem helle Single Origins sind im Vollautomaten oft weniger ideal, weil gleichmäßige, nicht zu ölige Bohnen dem Mahlwerk entgegenkommen und in der Tasse verlässlicher funktionieren. Eine einfache Empfehlung für Espressobohnen für Kaffeevollautomaten lautet deshalb: mittlerer Röstgrad, stabile Crema, nicht zu hell, nicht zu ölig.
Als gute Kaffeebohnen für Siebträger eignen sich frisch geröstete Bohnen mit mittlerem bis dunklem Röstgrad, weil sie für die kurze Espresso-Extraktion meist mehr Körper, dichtere Crema und eine angenehmere Süße mitbringen. Hier passen zum Beispiel die Espresso Rügen Edition oder der mit Gold ausgezeichnete baba von Berg Kaffee. Wer morgens Cappuccino oder Latte Macchiato trinkt, fährt mit robusta-stärkeren Blends wie dem Barista Blend oder Bio Espresso Lucky Harmonie oft besser, weil sich ihre Schokoladen- und Röstaromen gut gegen die Milch behaupten. Wer Espresso dagegen pur und schwarz trinkt, findet in helleren Single Origins wie dem Anderl oder dem Äthiopien Guji Oromia mehr florale, fruchtige und komplexe Nuancen.
Vergleiche am Ende Röstgrad, Robusta-Anteil und Herkunft wie eine kleine Checkliste, bevor du bestellst. Diese Kombination führt dich zuverlässiger zum passenden Espresso als jede einzelne Produktbeschreibung für sich.
9er Kaffee