Filterkaffee

Jeder Filterkaffee bei 9er-Kaffee stammt aus einer kleinen, unabhängigen Rösterei und wird frisch in Handarbeit geröstet. So genießt du Vielfalt, Qualität und Transparenz – vom Ursprung bis in deine Tasse.

Fünf bis sechs Wochen für eine Bohne: wenn Aufbereitung zum Geschmacksgeber wird

Fünf bis sechs Wochen lang trocknen die Kirschen des Cherry von La Molienda auf offenen Trocknungsbeeten in der Sonne, bevor die Bohne überhaupt in den Trommelröster kommt – ein Verfahren, das in Kolumbien so selten ist, dass die Rösterei es selbst als Experiment beschreibt, obwohl es in Äthiopien oder Kenia zum Alltag gehört. Genau diese Art von Detail entscheidet bei Filterkaffee über Geschmack, nicht die Herkunft allein: Bei kaum einer anderen Herkunft zeigt sich das so deutlich wie bei Kolumbien, denn kaum ein Ursprungsland taucht unter den hier vorgestellten Kaffeebohnen für Filterkaffee so oft auf wie dieses eine Land – und praktisch nie auf dieselbe Art.

Fünf Röstereien, ein Ursprung: Kolumbien in vier Rollen

Sechs Röstereien greifen auf kolumbianische Bohnen zurück, aber jede macht daraus etwas anderes. Der Sepp von der Kaffeerösterei Muckefuck ist ein Single Origin aus dem Woman Coffee Projekt Giraldo, fully washed, mit Noten von Kakao, Toffee und getrocknetem Apfel. Der Kolumbien entkoffeiniert von der Kult Rösterei nutzt dieselbe Herkunft für einen milden, leicht nussigen Kaffee ganz ohne Koffein, gedacht für den entspannten Kaffee am Nachmittag oder Abend. Bei der Matico Kaffeerösterei dagegen ist Kolumbien nur ein Baustein: Sowohl im Ostseekaffee, der zusätzlich peruanische und nicaraguanische Bohnen enthält, als auch im Neustadt Mix Filterkaffee, ergänzt um Brasilien und Äthiopien, trägt die kolumbianische Komponente zur Fruchtigkeit eines größeren Blends bei, statt allein im Mittelpunkt zu stehen. Die Luther Tasse von Rösterei Arabica wiederum bleibt Single Origin, wurde aber 2024 von der Deutschen Röstergilde mit Gold ausgezeichnet und zeigt mit Röstgrad 4 von 5 ein deutlich dunkleres, schokoladig-karamelliges Profil als der helle Sepp. Woher die Bohne stammt, bleibt in allen Fällen gleich – was daraus wird, entscheidet sich erst am Röststandort: als reiner Ausdruck einer Herkunft, als Baustein, als koffeinfreie Variante oder eben als jahrzehntealtes Verfahren, das eine Rösterei bewusst wiederbelebt.

Genau das zeigt der Cherry noch einmal deutlicher, weil hier die Aufbereitung selbst zum Geschmacksgeber wird. Statt die Kirschen nass zu waschen, lässt La Molienda sie direkt nach der Ernte ungeschält in der Sonne trocknen – ein Prozess, der in weiten Teilen Kolumbiens unüblich ist, weil er deutlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit braucht als die klassische Nassaufbereitung, bei der das Fruchtfleisch sofort entfernt wird. Das Ergebnis sind Noten von Kirsche, Rosine und Pflaume, die bei gewaschenen kolumbianischen Kaffees so nicht entstehen, weil die Frucht während der gesamten Trocknungszeit an der Bohne haften bleibt und ihre Süße direkt weitergibt. Geröstet wird der Cherry wöchentlich in Chargen von 12 Kilogramm und zeitnah nach der Röstung verpackt – wer frisch geröstete Kaffeebohnen kaufen möchte, findet hier ein Beispiel, bei dem Röstdatum und Verkostung selten weit auseinanderliegen.

Zwei Frauenprojekte, zwei Kontinente

Wie unterschiedlich sich soziales Engagement in der Kaffeekette entlang derselben Lieferkette zeigt, wird an zwei Projekt Kaffee-Beispielen auf zwei Kontinenten sichtbar. Der Sepp entstammt dem Woman Coffee Projekt Giraldo in Kolumbien, bei dem Frauen den Anbau und die Aufbereitung verantworten. Der Para Ela Filterkaffee von der Caffewerkstatt geht denselben Gedanken für Brasilien durch: Die reifsten Kirschen werden während einer nur viermonatigen Saison ausschließlich von Frauen aus Campos Altos von Hand gepflückt, was Arbeitsplätze und ein eigenes Einkommen sichert. Beide Kaffees zeigen mild-schokoladige Profile mit wenig Säure, obwohl sie auf unterschiedlichen Kontinenten liegen und von unterschiedlichen Röstereien stammen – der Unterschied liegt nicht im Geschmack, sondern darin, wessen Arbeit hier sichtbar gemacht wird.

Von Röstgrad 1 bis Röstgrad 4: die Spanne beim Filterkaffee

Beim Röstgrad selbst liegen die Extreme unter den hier vorgestellten frisch gerösteten Kaffeebohnen erstaunlich weit auseinander. Der Gustl von Kaffeerösterei Muckefuck bleibt mit Röstgrad 1 von 5 die hellste Röstung im gesamten Vergleich: ein Bio-Single-Origin aus Honduras, von der Finca Bellavista, mit Karamell- und Nussnoten, der seine Süße gerade durch die zurückhaltende Röstung bewahrt. Am anderen Ende liegen der Synthese Blend von Café de Enrico und der Para Ela mit Röstgrad 4 von 5, beide deutlich dunkler und kräftiger in Körper und Zimt- beziehungsweise Schokoladennoten.

Entkoffeiniert ohne Geschmacksverlust

Wer auf Koffein verzichten möchte, muss beim Filterkaffee ebenfalls nicht auf Charakter verzichten. Der Bio Decaf Honduras Libre von der Pelikan Kaffeerösterei wird im Swiss-Water-Verfahren entkoffeiniert, in Bremen verarbeitet und in Luckenwalde von Hand geröstet – ein Verfahren, das ohne klassische Lösungsmittel auskommt und den Charakter der Bohne bewahren soll, statt ihn auszuwaschen. Die Röstung Kolumbien entkoffeiniert von der Kult Rösterei setzt auf denselben Verzicht, aber auf eine andere Herkunft und ein anderes Aromenbild: mild, rund und leicht nussig statt kräftig und schokoladig. Wer koffeinfreie Kaffeebohnen kaufen möchte, findet mit Entkoffinierter Kaffee eine ganze Reihe vergleichbarer Röstungen, bei denen der Verzicht auf Koffein nicht automatisch einen Verzicht auf Aroma bedeutet.

Dein Zubereitungsgerät, deine Röstung

Am Ende entscheidet nicht nur die Herkunft, sondern auch das Zubereitungsgerät, welche dieser Röstungen zur eigenen Tasse passt. Wer sich morgens einen Filterkaffee zubereitet, greift bei fruchtig-hellen Profilen wie dem Gustl oder der Äthiopien Guji am besten zu einer mittleren Mahlung, damit Zitrus- und Beerennoten klar bleiben. Wer stattdessen die French Press bevorzugt, sucht meist gezielt Kaffeebohnen für French Press mit etwas gröberem Mahlgrad und vollerem Körper, wie sie der Ostseekaffee oder der Lupinen Filter Blend liefern, dessen halbierter Koffeingehalt dank des deutschen Lupinenkaffee-Anteils gerade für den zweiten Nachmittagskaffee interessant ist.

Kaffeebohnen für French Press oder Filterkaffee: die Checkliste

Kaffee für French Press und Kaffee für Handfilter unterscheiden sich damit weniger in der Herkunft sondern im Mahlgrad, den du wählst. Vergleiche Röstgrad, Aufbereitung und Herkunft wie eine kleine Checkliste – dann findest du unter den hier vorgestellten Röstungen auch ohne Vorwissen die beste Kaffeebohnen für deinen Geschmack. Wer lieber sortenrein bleibt, wird bei Single Origin Kaffee fündig; wer stattdessen bewusst auf nachvollziehbare Projekte wie das von Sepp oder Para Ela setzt, findet über Direkt gehandelter Kaffee weitere vergleichbare Röstungen.