Kaffeeröstereien aus Bayern

Handgeröstete Kaffees aus Bayern – entdecke unabhängige Kaffeeröstereien zwischen traditioneller Trommelröstung, modernen Specialty Coffees und regionaler Röstkultur.

Vier Röstereien, vier Berufswege in den Kaffee

Bevor der Gründer von Rocket Roaster aus Langenmosen jemals selbst eine Kaffeebohne röstete, hat er mehr als sechs Jahre lang an einer Siebträgermaschine mitgearbeitet – am Institut für Kaffeetechnologie in Bayern, gemeinsam mit dem Mann, den er nur „den Kaffeeprofessor" nennt. Erst danach zog er hinter seine eigene Garage und fing an, das zu rösten, wofür er die Technik jahrelang mitentwickelt hatte. Damit ist Rocket Roaster nur eine von vier bayerischen Röstereien, die alle aus einem völlig anderen Berufsleben in den Kaffee gefunden haben: Matthias Pamer beschäftigte sich seit 2012 als Kaffeeliebhaber mit der perfekten Bohne, bevor er 2021 die Pamer's Kaffeeroesterei in Rottenburg an der Laaber gründete und seither jede Sorte sortenrein im traditionellen Trommelröster röstet. Muckefuck im Allgäu entstand, weil die Gründer schlicht keinen passenden Kaffee fanden und ihn deshalb selbst rösteten – ohne Umweg über eine Fachausbildung, dafür mit dem Anspruch, den Bohnen ihren ursprünglichen Charakter zu lassen, statt ihn zu übertünchen. Und Stefan Vogelgesang und Christiane Maier entschieden sich als ehemalige IT-Manager und Unternehmensberater gegen ihre Büros in München und gründeten die VogelMaier Kaffeerösterei, nachdem die Idee einer eigenen Rösterei ihnen elf Jahre lang nicht mehr aus dem Kopf gegangen war.

Kleine Chargen, große Idee: wie der Ingenieur aus Langenmosen röstet

Genau dieser technische Hintergrund erklärt, warum Rocket Roaster anders arbeitet als die übrigen drei Röstereien. In Langenmosen werden die Bohnen in Chargen von maximal 4 Kilogramm etwa 20 Minuten lang geröstet – deutlich kleinteiliger, als es industrielle Verfahren erlauben würden, aber folgerichtig für jemanden, der zuvor jahrelang jedes Detail einer Espressomaschine untersucht hat, bevor er sich der Bohne selbst zuwandte. Genau aus dieser Rösterei stammt auch der Indian Parchment, ein sortenreiner Bio-Robusta aus Indien, der als Cafe-Crema-Röstung volle Absicht zeigt: Schokolade und Nougat treten hier nicht als Nebeneffekt auf, sondern weil die Röstung gezielt auf Körper und Intensität ausgelegt ist.

Ein Ursprung, drei Rollen: Indien bei drei bayerischen Röstereien

Indien taucht in bayerischen Röstungen ohnehin auffällig oft auf – aber nie in derselben Funktion. Bei Vogelmaiers Pfundskerl liefert sonnengetrockneter indischer Robusta den Koffein-Kick für einen ursprünglich als Weihnachts-Espresso entstandenen Blend mit Zimtnoten. Bei Pamers Heimatliebe und El Capitano trägt derselbe Ursprung den kräftigen Unterbau für milchtaugliche Allrounder, im zweiten Fall zu gleichen Teilen mit ruandischem Arabica gemischt. Rocket Roaster dagegen macht aus demselben Ursprungsland einen sortenreinen Robusta, bei dem Indien nicht Beigabe, sondern alleiniger Namensgeber ist. Was sich an den Bohnen selbst nicht ändert – ihre Herkunft bleibt Indien –, entscheidet sich also erst am Röststandort in Langenmosen, München oder Rottenburg an der Laaber: als Hauptdarsteller oder als Baustein für einen größeren Blend.

Direkt gehandelt: von der eigenen Reise bis zum Projektkaffee

Wie unterschiedlich bayerische Röstereien mit Herkunft umgehen, zeigt sich noch deutlicher an der Frage, woher die Bohne überhaupt kommt und wer sie handelt. Vogelmaier reist seit 2014 selbst in die Ursprungsländer, um Plantagen in Ruanda, Äthiopien, Brasilien und El Salvador auszuwählen und direkt einen fairen Preis auszuhandeln, statt sich auf Zwischenhändler zu verlassen – eine Praxis, die auch hinter dem Papua Neu Guinea steht, den die Rösterei von Carl-Leon Gruppe bezieht. Der gebürtige Hamburger lebt selbst in Papua-Neuguinea, hat dort in der Region Okapa über Jahre Vertrauen zu einzelnen Kleinbauern aufgebaut und die Wertschöpfung direkt an sie weitergegeben, bis hin zu einem sozialen Projekt, bei dem eine deutsche Augenärztin Hunderte Brillen an Einheimische verteilte. Wer solche Herkunftsgeschichten verfolgen möchte, findet in der Kategorie Direkt gehandelter Kaffee und Projekt Kaffee weitere Röstungen mit vergleichbar dokumentierter Kette vom Anbau bis zur Tüte.


Arabica-Klarheit oder Robusta-Kraft im bayerischen Espresso

Bei der Frage, wie viel Robusta ein guter Espresso verträgt, gehen die vier Röstereien ebenfalls auseinander. Muckefucks Stammtisch Blend bleibt bei 100 Prozent Arabica aus Costa Rica, Honduras und Äthiopien und setzt auf ein weiches Mundgefühl mit Bitterschokolade und Trockenfrüchten, das sich besonders für Siebträger, Bialetti und AeroPress eignet. Wer stattdessen Robusta Kaffee in klarer Dosierung sucht, findet bei Pamers El Capitano ein Verhältnis von exakt 50 zu 50 zwischen ruandischem Arabica und indischem Robusta – bewusst säurearm und vollmundig, gedacht für Vollautomat, Lungo und Milchgetränke gleichermaßen. Wer dagegen eher zum entkoffeinierten Kolumbien Decaf derselben Rösterei greift, muss auf die dichte Crema und die Noten von dunkler Schokolade und Haselnuss trotzdem nicht verzichten – ein Beleg dafür, dass Pamer's Trommelröster ebenso mit koffeinfreien wie mit klassischen Bohnen umzugehen weiß.

Röstgrad 1 gegen Röstgrad 2: derselbe Trommelröster, zwei Charaktere

Wie unterschiedlich sich Röstgrad auf den Geschmack auswirkt, zeigt sich am deutlichsten innerhalb einer einzigen Rösterei. Muckefucks Toni aus Costa Rica bleibt mit Röstgrad 1 von 5 bewusst hell: Der gewaschene Arabica der Varietät Caturra zeigt braunen Zucker, Schokolade und Malz in einer ruhigen, alltagstauglichen Tasse. Nur eine Stufe dunkler geröstet, wirkt derselben Röstereis Sepp aus Kolumbien mit Kakao, Toffee und getrocknetem Apfel bereits deutlich lebendiger und fast tropisch, obwohl beide Kaffees aus demselben Trommelröster stammen und von derselben Hand komponiert wurden. Wer solche hellen, handfilter Kaffees oder Kaffee für French Press sucht, kann direkt vergleichen, wie zwei Röstgrade aus derselben Rösterei zwei völlig verschiedene Trinkerlebnisse ergeben, ohne dass eine Herkunft die andere ausschließt.

Welche dieser vier bayerischen Handschriften am besten zur eigenen Kanne oder Maschine passt, lässt sich auf 9er-Kaffee direkt gegenüberstellen. Wer den sortenreinen Weg dem Blend vorzieht, wird bei Single Origin Kaffee fündig – etwa beim erwähnten Indian Parchment, an dem sich zeigt, wie viel Charakter ein einzelner Ursprung tragen kann, wenn die Röstung ihn nicht mit anderen Herkünften verwässert. Interessiert dich, wie anders sich dieselbe Ausgangsfrage – wie viele Röstereien eine Region prägen – in einem anderen Bundesland beantwortet? Ein Blick auf Kaffeeröstereien aus Berlin gibt darauf eine ganz eigene Antwort.